Verfasst von: mimaba | Juli 23, 2008

Weltjugendtag und Wohnungssuche

Meine Lieben,

ich bin angekommen! Jetzt auch endlich gedanklich. Hinter mir liegt eine stressige Woche. Zuallererst zum Weltjugendtag:

Mit ca. 225 000 Pilgern in Sydney war der WJT nur etwa halb so groß wie in Köln, was auch deutlich spürbar war. Die Straßen waren viel leerer und auch von der Atmosphäre war nur bei den großen Veranstaltungen wie dem Eröffnungs- und Abschlussgottestdienst oder der Ankunft des Papstes am Donnerstag etwas mehr zu spüren. In dieser Hinsicht geht der Punkt eindeutig an den WJT in Köln vor drei Jahren. Allerdings war dieses Mal alles viel besser organisiert (wahrscheinlich eben auch deshalb, weil es weniger Teilnehmer waren). Die Gruppe aus Bremen und Osnabrück, mit der ich unterwegs war und auch die ersten Nächte verbracht hab, war sehr nett und wir hatten ne tolle Zeit. Allerdings war der WJT für mich doch eher nebensächlich, da ich mehr auf die Zeit danach eingestellt war.

Jetzt habe ich ein tolles Apartment am Darling Harbour, 15 Minuten zu Fuß vom Zentrum entfernt. Ich wohne zusammen mit zwei Franzosen, mit denen ich mir auch mein Schlafzimmer teile (das ist hier wegen der unglaublich hohen Mieten nicht unüblich), und mit zwei Engländern und einer Italienerin, die zusammen das andere Schlafzimmer belegen. Die Wohnung ist ziemlich modern, daher lässt sichs hier gut aushalten. Ich stelle Fotos online, sobald ich kann (hab immer noch keine Kamera).

Gestern hab ich meinen ersten Australier kennen gelernt. Das ist hier gar nicht so einfach, da Sydney total multikulti ist und an meiner Uni ca. 60 % der Studenten asiatischer Abstammung sind. Ben studiert auch an der UNSW und geht nächsten Monat für ein Jahr nach Freiburg. Wir waren auf Cockatoo Island, eine kleine Insel, 15 MInuten mit der Fähre vom Opernhaus entfernt, die in den beiden Weltkriegen als Schiffswerft benutzt wurde. Jetzt steht alles leer, trotzdem zahlt die Stadt weiter für die Instandhaltung der Insel, da man dort z.B. auch campen kann. Überall stehen Kräne und alte Hallen herum, es gibt auch einen Hügel mit weiteren Gebäuden darauf und viele tolle Bäume und Pflanzen. Es ist wirklich eine wunderschöne Insel, die man unbedingt besuchen sollte, wenn man hier ist. Ich werde mit Sicherheit nochmal hinfahren. Zur Zeit kann man dort eine Ausstellung über moderne Kunst ansehen, die auch noch kostenlos ist (selbst die Fähre dorthin kostet nichts). Die Ausstellung selbst war die Reise meiner Meinung nach allerdings nicht wert, aber ich bezeichne mich gerne freiwillig als Kunstbanause. In einer Station konnte man Werke von Mike Parr anschauen. Er macht Kunst gegen Gewalt durch Gewalt. Auf Fernsehern konnte man sehen, wie einer seinen Finger in einer Flamme verbrennt, wie einem der Mund zugenäht wird oder wie Hühnern der Kopf abgeschnitten und sie danach auf einer Stange aufgehängt werden, mit ihren Flügeln noch flatternd. Ziemlich widerlich. Auf der anderen Seite war es war das eindrucksvollste, was man dort zu sehen bekommen hat.

Noch kurz zum Wetter: Es ist hier ziemlich mies, 13° C, Regen, ziemlich ungemütlich also.

Morgen ist mein Orientierungstag an der Uni. Bin schon sehr gespannt, wie das wird.

Ich grüße euch alle von der anderen Seite der Welt und vermisse euch alle sehr!

Michael


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